CHRISTINA NILSSON - EIN FASZINIERENDES LEBENSSCHICKSAL


In hohem Tempo kam das Pferdefuhrwerk mit Jonas und Stina Kajsa Nilsson auf der Landstraße zwischen Växjö und Älmhult. Es war Samstag den 20. August 1843. Jeder, der das Gespann sah, wusste dass es eilte, und in letzter Minute erreichten sie Snugge - kniend am Herd gebar Stina Kajsa ihr siebtes Kind - ein Mädchen, das tags darauf in Vederslövs Kirche auf den Namen Christina getauft wurde.
Das Elternhaus war musikalisch aber arm - der Boden war mager und steinig und deswegen sah sich Jonas gezwungen den Hof an die mächtigen Gebrüder Hamilton, Gutsbesitzer Husebys, zu verkaufen. Unausgesprochen war der Sinn, dass die Familie hätte wohnen bleiben können, aber Husebys Inspektor veranlasste die Zwangsräumung, während Hamilton auf Reise war.

Christinas Mutter weinte - es war das Gehöft ihres Vaters, das man verließ. Dann kroch Christina auf den Schoß ihrer Mutter, trocknete die Tränen und verkündete mit Nachdruck, dass sie schon den Hof zurückkaufen würde, wenn sie groß geworden war. Der alte Gastwirt in Nöbbeled, der gerade zu Besuch war, war gerührt. Er holte einen Einreichstalerschein hervor und gab den an die kleine Stina in Snugge.
Die Umzugsfuhre ging nach Lövhult und Sibbagård, wo der Vater Taglöhner wurde. Christina war kühn und tüchtig - genau wie ein Junge. In deren Gesellschaft fühlte sie sich am meisten wohl und wenn sie manchmal für einen Jungen gehalten wurde, war sie glückselig.

Sie war waghalsig und einige Male geschah ihr Übles. Ein Mal bekam sie einen Holzschuh mit Stahlkante mitten ins Gesicht - beinahe wäre es von der Nase getrennt worden. "Seit dem Tag erscheint mein Profil unterschiedlich von verschiedenen Seiten".
Christina lieh immer wieder die Geige ihres Bruders und bald hatte sie gelernt zu spielen. Alle gelernte Melodien spielte sie dann aus dem Gedächtnis. Sie ging mehrere zehn Kilometer zu Märkten und Wirtshäusern und viele Nächte saß sie in stickigen und verstaubten Häuschen, wo sie Tanzmusik spielte, bis niemand mehr tanzen konnte.
Eines Tages wollte die Mutter, dass Christina Kartoffelkraut für das Schwein jätet. Christina weigerte sich und bekam Prügel, und zwar so viel, dass sie von zu Hause wegrannte. Zuvor schaffte sie es aber, Carls Geige zu ergattern. Draußen auf der Straße begegnete sie ihrem Spielkameraden Peter Magnus aus Lövhult. Er leistete ihr Gesellschaft und sie begaben sich zu Kronobergs hed.
"Ach du großer Gott, wie lustig ich es fand, die ganzen Soldaten, die das Gewehr mal über die eine, mal über die andere Schulter werfend, hin- und hermarschierten, anzuschauen. Ich versuchte dasselbe zu tun und als der Offizier "Halt" kommandierte, machte ich das auch. Dann zog ich aber meine Geige hervor und spielte eine richtige Bauernpolka. Das erweckte die Jungs zum Leben - sie tanzten bis der Schweiß in Strömen lief. Dann sang ich - Näcken han spelar på böljan blå - und dann flogen die Münzen von rechts und links in Pelles Mütze - ach, den Erfolg vergesse ich nie".

Im Juli 1857 fand die große Dult in Ljungby statt. Christina begab sich dorthin zusammen mit der Mutter, die mit guten Einkünften, dank des Gesangs und Spielens der Tochter, rechnete. Als Christina da stand und sang, kam ein Wagen gefahren. Er hielt und Kreisgerichtsrat Tornérhjelm staunte über ihre schöne Stimme, die der Geige in den halsbrecherischsten Passagen hinauf zu den höchsten Tönen folgte.
Ihm wurde klar, dass sie das Zeug zu etwas Großem hatte - er würde für ihre Ausbildung sorgen.
Als er Ljungby verließ, fuhr Christina mit im Wagen nach Halmstad zur Musiklehrerin Adelaide Wallerius. Die Ausbildung verlief zügig. Christina war intelligent, musikalisch und besaß enorm viel Energie und einen starken Willen. 1858 gab Adelaide Wallerius mit ihrer begabten Schülerin in Ljungby ein Konzert und bei einer Soiree in Halmstad erweckte Christina allgemeine Bewunderung.



Gegen Ende 1859 ging es nach Stockholm und ihre Ausbildung wurde Franz Berwald anvertraut.
1860 trat Christina zum ersten Mal in der Hauptstadt bei einer musikalischen Soiree auf. Die Königin war anwesend. Christina sang u. a. eine Arie aus Figaros Hochzeit..
Es wurde beschlossen, dass Christinas Stimme ihre abschließende Ausbildung an dem Ort, der aus Tradition die Hochburg der Gesangskunst war - Paris, erhalten sollte.
Jetzt begannen vier Jahre beharrliche Arbeit. Es waren arbeitsame Jahre und Christina bezweifelte, dass ihre Stimme und Veranlagung sich für die Bühne eigneten. Ihr Lehrer Warlel versuchte sie in jeder Weise zu ermuntern, aber erst nachdem sie einen fantastischen Abend im Théâtre Lyrique verbracht hatte, entschloss sie sich, eine Dienerin der Bühne zu werden.





Sie durfte bei dem Direktor des Théâtre Lyrique samt den Komponisten Meyerbeer und Rossini zur Probe singen. Alle waren von ihrer Stimme hingerissen und sie erhielt einen Dreijahresvertrag am Théâtre Lyrique. Am 27. Oktober 1864 debütierte sie als Violetta in La Traviata.

Im Sommer 1865 konnte man am Bahnhof in Lund eine junge Frau in einem dünnen, schlichten aber geschmackvollen, grauen Wollkostüm sehen. Auf dem Kopf trug sie einen hochköpfigen, italienischen Strohhut.
Eine ausgestopfte Schwalbe schaukelte darauf.
Später, bei der Ankunft in Alvesta kam ein alter, grauhaariger Mann in Bauernkleidern ihr entgegen. Er sah etwas verlegen aus und hielt sich hinter den anderen. Christina eilte aber hinaus, schaute sich um und sah den alten Mann, aus dessen Augen ein paar große Tränen über die zerfurchten Wangen liefen.
"- Oh, Vater", rief sie und umarmte ihn glücklich. Der Alte sah etwas verlegen aus, aber mit väterlichem Stolz betrachtete er die schöne Gestalt - seine kleine Stina.

Der Aufenthalt in der Heimat war voll von diversen Einladungen Während dieser Zeit sang Christina nur bei einer Gelegenheit, und zwar als sie die - an diesem Sonntag zum Bersten gefüllte Skatelövs Kirche besuchte. Nach der Predigt des Pfarrers sang sie einen Psalm Davids, der ihr in Paris gewidmet worden war, von der Orgelempore Wie sich das anhörte, beschreibt in starkem Dialekt ihr Jugendfreund Anders Petter:
"- Es war so schön, dass ich es nie vergesse, und wenn ich hundert Jahre alt werde. Zuerst schrie sie, dass die Leute von den Bänken fielen und dann hörte sie sich genau so schön wie eine Erdhummel an - so prächtig können sie nur in Paris, oder wie es heißt" und nirgendwo anders singen.
Das Gerücht über Christinas Stimme war von der Seine an die Themse geflogen und als die Opernsaison im Mai 1867 begann, debütierte Christina in La Traviata in Londons vornehmem Opernhaus Her Majestys Theatre. Nach jedem größeren Gesangstück gab es begeisterten Beifall und nach dem letzten Vorhang, wurde die Sängerin mehrfach hereingerufen.

Zur Erinnerung an Händel, wurde alle drei Jahre im Kristallpalats, mit Platz für ein Orchester, einen Chor mit 4000 Personen und 30000 im Publikum, ein Fest gefeiert. Christina sang 1868 beim Händelfest zwei Arien aus Judas Maccabeus, wobei besonders die Erste mit Koloraturen stürmischen Beifall hervorrief.
- Wie viele wissen, dass die schwedische Volksweise "Näckens polska" in Ophelias Wahnsinnsszene in Thomas' Oper Hamlet eingeschrieben ist? Und dies dank Christina Nilsson!
Wie kommt das? -1868 wurde Christina wieder in Paris engagiert, aber nicht am Théâtre Lyrique, sondern an der Großen Oper. Der Komponist Ambroise Thomas hatte die Oper Hamlet geschrieben und für eine Aufführung gab es nur eine, die für die Rolle als Ophelia wie geschaffen war.
Am ersten März war die Premiere und wenn man am Théâtre Lyrique von Erfolg gesprochen hatte, war es jetzt ein Riesenerfolg!
Christinas Interpretation von Ophelia wurde in den Himmel gelobt. Die Begeisterung des Publikums von diesem wunderbaren Geschöpf war augenblicklich, unerhört und unbeschreiblich. Ein Kritiker schreibt: " Mitten im 19. Jahrhundert steht plötzlich hier vor uns Shakespeares skandinavische Heldin. Die Illusion war vollständig. Es war Ophelia selbst, die wir sahen - Ophelia selbst, nach Jahrhunderten von Schlaf aus ihrem Grab wieder auferstanden."

Der Winter 1869 war streng und der kleine See im Bois de Bologne gefror. Das bot den Parisern Gelegenheit zum Schlittschuh laufen. Ein beliebtes Vergnügen in den höheren Gesellschaftskreisen und manchmal kam selbst Kaiser Napoleon III zu Besuch. Christina war eine geschickte Schlittschuhläuferin. Das war sie schon als kleines Mädel aus Småland und deswegen fiel es ihr nicht schwer, die feinen, eleganten Pariser Damen zu überglänzen. Sie schaffte die Bögen genau so leicht wie Operntexte und drehte die Pirouetten mit der selben Sicherheit wie sie das hohe C nahm. So bald der Kaiser sie sah, eilte er zu ihr hin und gab ihr lauter Komplimente, zum großen Ärger mancher der vornehmsten Damen des Hofes.
Der Singvogel aus dem Norden beabsichtigte demnächst Paris zu Gunsten Amerikas zu verlassen, aber zuvor gab sie ein Konzert für das Kaiserpaar, den Hof und die höheren Gesellschaftskreise. Besonders gewünscht war das Terzett aus Don Giovanni, wo Christinas Interpretation als etwas Himmlisches angesehen wurde. Als sie dann Ophelias Wahnsinnsarie gesungen hatte, kamen sechs golden angezogene Lakeien tragend einen ganzen Baum mit weißem Flieder. Der wurde vor ihr hingestellt und im selben Augenblick wurden Hunderte von Veilchensträußen ihr vor die Füße geworfen. Christina war so bewegt, dass ihre Augen sich mit Tränen füllten.
Dann gab es noch mehr Applaus und man rief: " Kommen Sie bald zurück - vergessen Sie nicht Frankreich, das Sie liebt und vermisst!" Das Bruststräußchen der Kaiserin an diesem Abend wurde Christina geschenkt und sie bewahrte es für immer als Andenken. Christina versprach, bald in ihrem geliebten Paris wieder zurück zu sein, als sie im Mai nach London fuhr. Am 19. Juli aber, erklärte Napoleon III Preußen den Krieg und das Unheil brach über Frankreich herein.
Die Reise über den Atlantik verlief gut. Im September 1870 erreichte das Schiff New York. Christina schrieb: " Im September ging ich das erste Mal in Amerika an Land. Der Dampfer Cuba traf einige Stunden früher als erwartet ein, aber nichtsdestoweniger wurde ich von mindestens 500 Personen empfangen - größtenteils Mitglieder der New Yorker Philharmonischen Gesellschaft, Artisten der Lyrik samt Kunstliebhaber. Ich war bei guter Gesundheit, war aber die ersten Tage der Reise sehr von Seekrankheit geplagt gewesen".

Am 19. September trat Christina das erste Mal in New York in der Steinway Hall auf. Das Lokal war bis auf den letzten Platz gefüllt - zwischen 2000 und 3000 Personen. Man lauschte zerstreut den anderen Darbietungen - man wartete auf die schwedische Nachtigall - und zum Schluss kam sie, so entzückend wie ein Morgen im Mai. Und wie sang denn diese liebliche Gestalt? Fakt ist, dass sie nicht nur den höchsten Erwartungen entsprach, sondern sie sogar übertraf. Dieses Konzert wurde die Ouvertüre von einem zwei Jahre währenden Triumphzugs durch Amerika.
New York Evening Mail schrieb wie folgt über Christinas ersten Besuch in Amerika "Ihr Gesicht erhellt sich von einer Freude, die sie nicht verbirgt - welche gewinnende Erscheinung. Ihre Schönheit liegt nicht in der Ruhe ihrer Linien, sondern im Wechsel des Ausdrucks, das Kommen und Gehen in der Offenbarung innerer Anmut, Intelligenz, Güte, Keckheit und Fröhlichkeit, die ihre Züge umgestalten und ihr noch etwas mehr als körperliche Schšnheit verleihen. Ihre Augen sind blau und so ausdrucksvoll wie die Töne, die über ihre Lippen gehen. Ihr Haar hat die Farbabstufung des Leins samt ist lang und dicht. Ihr Profil ist beinahe griechisch in seiner Reinheit und ihr Mund macht die Vollendung in diesem Antlitz aus. Die Figur ist geschmeidig, lebendig und anmutig in jeder Bewegung und alles wird von der Glorie der Unschuld umstrahlt."

Am 27. Juli 1872, um 11 Uhr, werden Christina Nilsson und Auguste Rouzaud in Westminster Abbey getraut. Die Brautausstattung wurde mehrere Tage im Voraus ausgestellt und ein Juwelier, der die neun schönen und kostbaren Schmuckstücke, die die Brautjungfern zieren sollten zeigte, versammelte jede Menge bewundernde Zuschauer. Nach der Trauung und dem anschließenden Mittagessen fuhr das Brautpaar in einem Wagen durch London. Aus den Fenstern wurden massenhaft Reiskörner geworfen und alle wünschten dem neuvermähltem Paar viel Glück. Am selben Tag fuhren die frisch verheirateten Ehegatten in die Flitterwochen nach Deutschland, in eine kleine Ecke zwischen Koblenz und dem Schloss Stolzenfels am Rheinufer.

Jetzt wollte man in Russland Christina hören und im Herbst 1872 reiste sie mit gewisser Spannung angesichts der Begegnung mit dem russischen Publikum, das sie nicht kannte, dort hin. Sie debütierte als Ophelia in Hamlet und vielleicht war sie enttäuscht über den ersten Empfang in der Oper: Einige Male schwaches, kurzes Händeklatschen. Je länger die Oper fortschritt, desto mehr nahm der Beifall zu und ihr Debüt wurde zum Erfolg.
An einem Abend in Sankt Petersburg wurde Christina zum Bärenjagd eingeladen. Nach einer halben Stunde war man vor Ort. Die Suche nach Bär fing auf den schneebedeckten Windbrüchen an. Ein Knall war von Madame Rouzauds Büchse zu hören - ein kurzes Gebrüll ertönt und die Bestie ist tot.
Künftig stand der Bär ausgestopft in Christina Nilssons zu Hause in London..
- Am ersten März 1873 gab Christina in Sankt Petersburg ein Abschiedskonzert. Als sie als Margaretha in der Gartenszene in Gounouds Faust, das Schmuckkästchen öffnete, fand sie einen süperben Anhänger aus Smaragden und Diamanten. Das war ein Geschenk der Theaterabonnenten. Dazu bekam sie ein Paar passende Ohrringe von der Zarin und ein Schmuckstück aus verschiedenfarbigen Diamanten vom Zaren geschenkt.
Als der Akt dann zu Ende war, erhielt Christina vom Publikum auf dem Olymp einen Lorbeerkranz aus Gold. Dieser Kranz wurde zu einem der liebsten Erinnerungen, die Christina in ihrem Herzen trug. Die Studenten legten sich in den Schnee wie ein Teppich und Christina und ihr Mann gingen auf ihnen zum Wagen, der zu ehren des Abends von jungen, adeligen Männern zum Hotel gezogen wurden. Dort wurden die Feierlichkeiten die ganze Nacht fortgesetzt. Diese Huldigung und dieser Abend behielt Christina für immer in strahlender Erinnerung!

Die Jahre vergingen, Christina sang unerhört viel. War sie nicht auf Tournee in Amerika, Russland oder Europa war sie an einem Theater kontraktiert. Ihre zweite Amerikatournee war so anstrengend, dass sie lange unter den Folgen litt und am Ende war sie gezwungen sich in den wärmeren Gegenden am Mittelmeer auszuruhen.
1876 in Stockholm gab sie ein Konzert in Ladugårdslands Kirche, welche voll besetzt war, so dass ihr Gatte, Auguste Rouzaud, beinahe zu Tode gequetscht worden wäre. Er kam mit einem zerrissenen Mantel und einem verstauchten Handgelenk davon. Schon bei ihrem Anblick brach ein Sturm von Beifall aus und als sie dann den Mund öffnete, wurde das Publikum hingerissen.
Es wurde davon gesprochen, dass Christina-Nilsson-Fieber sowohl in der Hauptstadt, als auch in der Provinz ausgebrochen war.
Als Christina Nilsson Ende der 1870er Jahre in Wien war, äußerte sich die Kaiserin Elisabeth über Christina wie folgt: "Im Allgemeinen verstehe ich so etwas nicht, aber wenn Madame Nilsson singt, bewegt es mich - es geht ins Herz."
Christina und Auguste träumten davon, das unstete Leben zu beenden. Als ein Freund Auguste den Tipp gab, dass er eine Million an der Börse verdienen könne, griff er zu. Er hatte Christinas Vertrauen und verfügte teilweise über ihr Kapital. Anstatt unermesslich reich, wurde er ruiniert. Er grübelte, grämte sich und wurde hypochondrisch.
Christina wurde von Furcht ergriffen und begriff, dass ihr Gatte dabei war, geisteskrank zu werden. Dank eines guten Freundes, gelang es Christina, Auguste in ein Hospital eingewiesen zu bekommen. Sein Zustand verschlechterte sich, Christina besuchte ihn täglich und sie war sehr betrübt. In der Nacht des 22. Februars wurde Christina von der Nachricht geweckt, dass sie sich sofort zu ihrem Mann begeben müsse, wenn sie ihn noch am Leben sehen wolle. Um vier Uhr morgens tat er in ihren Armen seinen letzten Seufzer, ohne sie wieder erkannt zu haben. Christinas Zustand in der nächsten Zeit danach, war höchst beunruhigend. Sie aß wenig, schlief gar nicht und weinte unaufhörlich. Sie versuchte ein bevorstehendes Gastspiel in London zu annullieren, aber die Strafe bei Vertragsbruch war allzu hoch und so blieb ihr nur im April nach London zu fahren.
- Im Herbst begab sie sich wieder über den Atlantik nach Amerika.

Als Christina 1885 in Bergen, Norwegen eintraf, wurde sie mit königlichem Salut empfangen. Unter stürmischen Beifallrufen und unaufhörlichem Blumenregen, fuhr sie Strandvejen entlang. Im selben Jahr ging die Tournee nach Stockholm weiter. Dort wohnte sie im ersten Stock des Grand Hotell unmittelbar rechts vom Haupteingang. Das Volk versammelte sich davor, nach einer Weile betrat sie ihren Balkon und ihre kräftige, volle Stimme war über der ganzen Menschenmenge zu hören. " Das Einzige, das ich Ihnen jetzt sagen kann, ist ein herzliches Dankeschön. Nach dem letzten Konzert werde ich für Sie singen, aber jetzt bin ich zu müde." Sie schwenkte das Taschentuch und zog sich zurück.
Schon nach dem ersten Konzert gab es vor dem Hotel eine große Menschenmenge, die darauf hoffte, Christinas Gesang hören zu dürfen. Gutherzig wie sie war, sang sie zwei Volksweisen. Am Abend, es war der 23. September, war vor dem Grand Hotell ein Menschenmeer - 50 000 das die berühmte Sängerin hören wollte. Es galt seine Ellbogen zu gebrauchen, wenn man sie - wenn auch nur flüchtig - sehen und an ihrem Gesang teilhaben wollte. Der Abend war lau und schön. Jetzt ging eine Bewegung durch die Menschenmasse. Madame Nilsson hatte sich gezeigt und dann sang sie. Als die letzten Töne verklungen waren, wollte man mehr haben, aber Christina kam nur hinaus und verneigte sich ein paar Mal. Beim Auflösen der Menschenmenge entstand Panik. Um davon zu kommen, traten die Menschen auf einander, am Schlimmsten betroffen waren Frauen und Kinder. 19 personen kamen ums Leben und Christina war zutiefst bedrückt.

Christina hatte in Paris die Bekanntschaft eines jungen spanischen Mädchens gemacht - Rosita de Casa Miranda. Diese begleitete sie auf ihren Reisen nach sowohl Amerika, als auch Skandinavien. Christina hing so an dem Mädchen, dass sie es kaum mehr hätte mögen können, selbst wenn es ihre eigene Tochter gewesen wäre.
Es wird behauptet, dass Rosita meinte, ihr Vater sollte Christina heiraten - und so geschah auch.
Am 12. März 1887 wurde Christina bei einer einfachen Zeremonie Gräfin Casa de Miranda.
Nach dem Hochzeitsessen fuhr das Brautpaar nach Spanien.

1867 erreichte Christinas Vater, Jonas Nilsson, die Mitteilung, dass Werksbesitzer Stephens ins Ausland reisen wollte. Der Vater hatte zu Hause in Småland darüber gegrübelt, ob Christina nicht Snugge zurückkaufen würde wollen - jetzt wo sie so viel Geld verdiente. Daraufhin entschloss er sich, dem Werksbesitzer auf dessen Reise zu begleiten.
Daraus wurde nichts, aber als Stephens in Kopenhagen Halt machte, tauchte Jonas Nilsson auf.
Zusammen setzten sie die Reise fort - Stephens in der ersten und Nilsson in der dritten Klasse. In Hamburg verirrte sich Nilsson. Stephens musste die Polizei verständigen, die den Mann dann auch fand. Jetzt telegrafierte man an Christina und sie ließ ihren Vater nach Paris holen. Als Stephens später aus London zurückkehrte, strahlte man zusammen und Christina kaufte Snugge für 4000 Reichstaler zurück an die Eltern.
Christinas Bruder, Sven, machte zwei Jahre später die gleiche Reise wie der Vater und er bekam die Ehre, seine Schwester im Theater zu erleben: "Sie saß an einem Spinnrad und spann Taue und sang und dann klatschten sie so viel sie konnten in die Hände und warfen Blumensträuße, dass es nur so wirbelte."
Christina fing an sich des unsteten Lebens als Sängerin überdrüssig zu werden. Es war anstrengend und mühselig mit der ständigen Aufmerksamkeit und immer schauen zu müssen, dass alle Töne vorhanden waren und außerdem gut klangen. Sie hatte früher davon gesprochen, dass sie vorhätte aufzuhören, während sie noch auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und im Besitz ihrer Stimme war.
Im Juni 1888 nahm sie von ihrem englischen Publikum Abschied. Dies geschah bei zwei Konzerten in Albert Hall in London.
Das allerletzte Mal, das Christina öffentlich auftrat, war 1893 bei einer Wohltätigkeitsfeier in Menton. Ihr Name stand nicht im Programm, aber es wurde geflüstert, dass sie in irgendeiner Art das Publikum überraschen würde - und siehe da: Im letzten Programmpunkt sah man die Sängerin ihren Platz in einem Streichquartett einnehmen - die zweite Geige spielend! Als sie mit den anderen Musikern abzog, schmetterten die Applause und ihr Name wurde ununterbrochen gerufen. Dann dreht sie sich um, geht hinunter zur Rampe, hebt schelmisch ihren Zeigefinger zum Publikum, setzt die Geige unters Kinn und singt zu ihrer eigenen Begleitung:
-" Fjorton år tror jag visst att jag var."
An diesem Abend machte sie ihren Abgang aus dem Konzertsaal.
Christina hatte einen der hervorragendsten Kunstschätze Europas in ihrer Pariser Wohnung. Ihre Art Geschäfte) zu machen, das Vermögen Gewinn bringend anzulegen und durch sichere und gut überlegte Spekulationen zu vermehren, erweckte die Bewunderung der erfahrensten Börsianer.
Christina trug ständig Kleider nach der neuesten Mode und aus den kostbarsten Stoffen ohne sich extravagant oder Aufsehen erregend zu kleiden.
Christina machte es sich zur Gewohnheit, die Winter in ihrem Haus in Menton ) zu verbringen und zur Sommerzeit fuhr sie gern nach Schweden. In Stockholm erschien sie dann und wann - immer als ein Aufsehen erregender Gast, ob an den Promenaden oder an der Oper.
Sie kaufte ein kleines Anwesen - Villa Vik - zwischen Gårdsby und Växjö. Auf Gårdsby lebte ihr Lieblingsneffe Johannes, der Sohn ihres Bruders. Ihren 70. Geburtstag feierte sie auf Gårdsby und in Växjö u. A. mit einem Spielmannswettbewerb.

Christina erkrankte an doppelseitiger Lungenentzündung, aber erholte sich wieder und im Sommer 1921 begab sie sich in die Heimat nach Schweden und Villa Vik - Sie spürte wahrscheinlich, dass der Tod nahte und sagte " Meine alten Knochen sollen nicht in der Erde Spaniens zurückbleiben."
Am Dienstag, den 22. November 1921, um 8.15 Uhr am Morgen, als die Wintersonne anfing, ihre blassen Strahlen über die Gegenden Smålands zu streuen, verschied die berŸhmte Tochter Smålands im Stadshotel in Växjö.

Christinas fantastisches MŠrchen hat viele Menschen verzaubert.
Ihr Familienverband hat mit Stolz und Dankbarkeit das Andenken seiner brühmten Verwandten getragen. Zur Sommerzeit öffnen sie ihr geliebtes Geburtshaus Snugge für Besucher.
Die Königliche Schwedische Akademie verleiht jährlich in Christinas Namen Stipendien, die aus einer beträchtlichen Donation in ihrem Testament stammen. Vor 20 Jahren warf Stig Tornehed die Frage auf, ob Interesse für einen Verein gesammelt um das Andenken an Christina Nilsson bestand. Und jetzt - 20 Jahre später - sind wir versammelt um ihr Andenken in Ehren zu halten; den Dreiklang in ihrem Leben: Die Oper, das Volkslied und die Spielmannsmusik.